Woke-Experiment ist endlich beendet! Wieder Hoffnung für gute Filme und Serien?

von Bagaaa • vor 6 Tagen
Hallo zusammen,
ich möchte hier eine Diskussion anstoßen, die zwar einen leicht politischen Hintergrund hat, aber im Kern die Qualität unserer Filme und Serien betrifft.

Große Investmentgesellschaften wie BlackRock haben vor einiger Zeit signalisiert, ihre strengen Richtlinien bezüglich des sogenannten „Woke“-Zeitgeists
(bzw. ESG- und DEI-Vorgaben) zurückzufahren.

Warum erwähne ich das in dieser Serien/Film-Community?
Weil diese Finanzierungsströme die kreative Richtung in Hollywood maßgeblich beeinflusst haben und ich hoffe, dass diese Kehrtwende uns das zurückbringt, was Film und Fernsehen in den 2000ern und 2010ern so stark gemacht hat.

Folgende Punkte gehen mir dabei durch den Kopf:

1. Organische Diversität vs. Aufgedrückte Agenda
In den 2000er und 2010er Jahren gab es ebenfalls homosexuelle, lesbische oder diverse Charaktere.
Der Unterschied zu heute: Es wirkte organisch und nicht wie eine erzwungene Checkliste. Die Story stand im Vordergrund, nicht die politische Botschaft.

2. Die Dekonstruktion von Kindheitshelden
Ich habe das Gefühl, dass im aktuellen Zeitgeist viele klassische Helden dekonstruiert, „entmaskulinisiert“ oder ins Negative verzerrt wurden.
Beispiel James Bond: Er war immer der charmante, coole Draufgänger ein echter, maskuliner Mann, mit dem man sich identifizieren konnte.
Die neueren Filme haben versucht, ihm eine Emotionalität und Verletzlichkeit aufzudrücken, die den ursprünglichen Charakter im Kern verändert hat. Es fühlte sich einfach nicht mehr nach derselben Figur an. (Meine Meinung)

3. Sehnsucht nach echten „Badass“-Charakteren
Das ist keine reine Nostalgie, ich bin neuem Content gegenüber absolut offen. Aber mir fehlen die harten Hunde, die klassischen „Badass“-Typen, die eine gewisse Coolness ausstrahlen.
Das Gleiche gilt für Frauenrollen: Es gab und gibt großartige, coole weibliche Charaktere, die trotzdem ihre Weiblichkeit behalten haben, anstatt einfach wie kopierte Männer zu wirken.
Der aktuelle Zeitgeist hat das Gefühl für diese klar definierten Rollen komplett auseinandergenommen. Für mich hat dieses klassische Storytelling mit starken Archetypen immer am besten funktioniert.

Meine Fragen an euch:
Glaubt ihr, dass durch das Zurückfahren dieser Konzepte auf finanzieller Ebene wieder Platz für die „gute alte Schule“ des Filmemachens entsteht?
Kommen die harten, coolen Charaktere zurück oder hat sich der Zeitgeist bereits zu tief in die Drehbücher gefressen?
Was denkt ihr dazu?

16 Antworten

Rucze
Rucze vor 6 Tagen

In den 2000ern und 2010ern gab es queere oder diverse Figuren meist nur als Nebenrollen, oft klischeehaft, oft humoristisch gebrochen, selten als echte Hauptfiguren. Das wirkte „organisch“, weil es dem damaligen Mainstream entsprach, nicht unbedingt der Realität.

Heute ist die Darstellung breiter, sichtbarer und vielfältiger und dadurch für manche ungewohnt.
Das heißt aber nicht automatisch, dass es „Checklisten“ sind. Es ist eher ein Korrekturprozess, der jahrzehntelange Unterrepräsentation ausgleicht. Wenn man lange nur eine Perspektive gewohnt war, wirkt jede Erweiterung zunächst wie „Agenda“, obwohl es schlicht mehr Realität ist.

Die Idee, dass moderne Filme klassische Helden „entmaskulinisieren“, ist ein verbreitetes Gefühl aber es basiert oft auf einer romantisierten Erinnerung.

James Bond war schon immer ein Produkt seiner Zeit.
Die frühen Bonds waren cool, aber auch emotional extrem flach, teilweise toxisch, und stark von männlichen Fantasien geprägt. Die neueren Filme haben versucht, Bond komplexer zu machen, nicht schwächer.
Verletzlichkeit ist kein Widerspruch zu Maskulinität im Gegenteil: Sie macht Figuren oft interessanter, glaubwürdiger und zeitgemäß.

Die Welt hat sich verändert.
Ein Held, der heute genauso agiert wie 1965, würde nicht als „stark“ wirken, sondern als Karikatur.
Die Dekonstruktion ist kein Angriff auf Männlichkeit, sondern eine Modernisierung von Archetypen, die sonst stehengeblieben wären.

Ich verstehe die Sehnsucht nach klaren Archetypen aber moderne Geschichten versuchen nicht, alte Figuren zu zerstören, sondern neue Perspektiven hinzuzufügen. Vielfalt ist kein Ersatz, sondern eine Ergänzung.

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